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Höher geht nicht. Länger gibt‘s nicht • der Great-Himalaya-Trail

Der Great Himalaya TrailEinmal quer über den Himalaya erstreckt sich die längste, schwerste und höchstgelegene Trecking-Tour der Welt: der Great-Himalaya-Trail. Wer noch mehr Superlative sucht, ist auf diesem Planeten fehl am Platz.

Wenn jemand wirklich schlecht rückwärts einparken kann, dann ist das Indien. Weil sich der Subkontinent seit fünfzig Millionen Jahren unter Asien schiebt, faltet sich hier die größte Knautschzone der Erde auf: der Himalaya. Der Gebirgszug hat gigantische Ausmaße: doppelt so hoch wie die Alpen und dreimal länger als Italien. Ein riesiges Verkehrshindernis und eine kaum zugängliche Region.

Der Great Himalaya Trail
Heilige Orte; immer links – also im Uhrzeigersinn – passieren

Im Vergleich ist der Jakobsweg ein Katzensprung

Hier entsteht das größte Projekt in der Geschichte des hochalpinen Wandertourismus: der Große Himalaya-Trail. Er durchquert das höchste Gebirge der Welt – von Pakistan über Indien, Nepal, und Bhutan bis nach Tibet. Die einzelnen Wege dieses Netzes gibt es größtenteils schon sehr lange. Sie waren allerdings weder kartographiert, noch hatte sich bisher jemand die Mühe gemacht, ihren Schwierigkeitsgrad und ihre Verknüpfungspunkte zu erfassen. Inzwischen sind über achttausend von insgesamt mehr als zehntausend Kilometern dokumentiert. Der Rest soll in den nächsten Jahren folgen. Zum Vergleich: Hobby-Pilger Hape Kerkeling durchquerte Nordspanien auf dem Jakobsweg und legte dabei 769 Kilometer zurück – etwa sieben Prozent des Himalaya-Trails.

Bei der Planung einer Wanderung ist die Größe des Wegenetzes eine echte Herausforderung. Neulinge entscheiden sich deshalb meist für die Teilabschnitte des Trails, die leicht zu erreichen sind; vor allem in Nepal. In dem kleinen Hochgebirgsland, boomt der Trekking-Tourismus bereits seit Jahrzehnten. Deshalb findet man bei verschiedenen Reiseveranstaltern eine breite Palette geführter, unterschiedlich anspruchsvoller Touren.

Die höchste Zahl an Nervenzusammenbrüchen

Der Great Himalaya Trail
Einsamer geht nicht; Trecking in der Langtang-Region

Neben dem Schwierigkeitsgrad der Wanderung sollte man die extrem dünne Luft in großen Höhen nicht unterschätzen. Womit wir beim nächsten Superlativ wären: Nirgendwo ist die Zahl der Nervenzusammenbrüche auf Reisen so hoch wie hier. Große Höhe, dünne Luft – Höhenkrankheit. Damit ist nicht zu spaßen. Der niedrige Sauerstoffgehalt ab etwa dreitausend Metern macht nicht nur das Atmen schwer und sorgt bei vielen Menschen für Schlaflosigkeit, Schwindelgefühle oder Ohrensausen. Trotz des enormen Kalorienverbrauchs kämpfen die meisten hochalpinen Wanderer vor allem in den ersten Tagen auch gegen Appetitlosigkeit. Oft sorgt schon der Gedanke an feste Nahrung für Übelkeit. Die schweren Symptome der Höhenkrankheit, Hirn- oder Lungenödeme, sind sogar lebensbedrohlich. Wenn Kopfschmerzen und Übelkeit nicht nachlassen hilft nur noch eins: Absteigen in niedrigere Höhen; auch wenn es das Ende der Reise und eines Urlaubstraums bedeutet.

Der Great Himalaya Trail
Ein gesunder Rücken; alles, was hier bewegt wird, muss geschultert werden

Mit der Höhenkrankheit ist nicht zu spaßen

Man sollte sich der Gefahren bewusst sein und es dem Organismus leicht machen, sich an die Höhe zu gewöhnen. Dazu gehören ein langsamer Aufstieg zur Akklimatisation und viel Trinkwasser; bis zu sechs Liter pro Tag. Dann kann die große Höhe zum großen Erlebnis werden, denn für innere Einkehr oder meditative Erfahrungen eignen sich die dünne Luft und die große Leere im Kopf ganz ausgezeichnet. Auch wenn man sich selbst nach Tagen noch fühlt wie ein Sauerstoffsüchtiger auf Entzug.

Benimm-Regeln

Der Great Himalaya Trail
Strenger Blick; Nepalesen schätzen richtiges Benehmen

In den teils stark isolierten Hochgebirgstälern des Himalaya lebt eine schwer überschaubare Anzahl von Volksstämmen mit sehr unterschiedlichen Bräuchen und Traditionen. Mit diesen Benimm-Regeln liegt man meist richtig:

– Man schüttelt einheimischen Frauen nie die Hand. In Nepal grüßt man mit einer leichten Verbeugung, dem traditionellen „Namasté“ und vor der Brust aufeinander gelegten Handflächen.

– Man weist nie mit den Füßen oder den Fußsohlen auf eine andere Person. Deshalb ist es besser, die Beine nicht zu überschlagen.

– Kindern streichelt man nicht über den Kopf.

– Außerdem ist die Feuerstelle heilig. Müll wirft man nicht ins Feuer.

Der Great Himalaya Trail
Felsmalereien am Wegesrand

Info

Hochalpines Trekking ohne Zelt. In der Everest-Region, dem Sagarmatha National Park, gibt es zahlreiche einfache Unterkünfte für wenige Euro pro Person und Nacht. Zimmer mit eigenem Bad gibt es in den Lodges der Yeti Mountain Homes. yetimountainhome.com. Da während der Hauptsaison viele Lodges ausgebucht sind, empfiehlt es sich, über einen Reiseveranstalter zu buchen.

Im Katalog des Trekking-Spezialisten Hauser Exkursionen findet man verschiedene Reiseangebote, sortiert nach Schwierigkeit, maximaler Höhe sowie den Nächten, die im Zelt oder in einer Lodge verbracht werden; Tel.: +49/89/235006-0, hauser-exkursionen.de.

Wer die Einsamkeit sucht, sollte die stark frequentierten Gebiete meiden. Nützliche Tipps findet man auf der dieser Seite: GreatHimalyaTrail.com.

Buchempfehlungen:

Der Great Himalaya Trail
Höchster Punkt auf Erden; der Sagarmatha oder Mount Everest

Nepal. Stefan Loose Travel Handbücher, 23,95 Euro.

Das Höchste: Was Menschen am Everest suchen, finden und verlieren, von Roger Repplinger, Ludwig Buchverlag, 19,99 Euro.

Foto: Carsten Heider

Catregory

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